Wir sind mittlerweile weit im Westen angekommen – das bedeutet auch, dass es am Morgen entsprechend spät hell wird. Wer nicht im Dunkeln loslaufen möchte, startet sinnvollerweise erst gegen 07:00 Uhr.

Für heute hatten wir ursprünglich eine recht happige Etappe geplant. Einerseits, weil wir am gewünschten Zielort Llolín keine Unterkunft gefunden haben und daher weiter mussten, andererseits, weil wir beim Überqueren eines Hügelzugs noch einen zusätzlichen Pico „mitnehmen“ wollten. Die Wetterprognose mit angekündigtem Nieselregen hat uns dazu veranlasst umzuplanen.

Der Himmel ist verhangen, doch immerhin bleibt es trocken. Wir wandern zunächst flach durch Wiesen und Felder und ziehen fröhlich südwärts.

Schon bald geht es schweisstreibend bergauf, vorbei an weidenden Kühen – mit Glocken wie zu Hause. Nebel-, Dunst- und Wolkenfetzen verhindern weitgehend die Sicht aufs Meer. Ab und zu reisst die Decke aber kurz auf – eine veritable blaue Störung!

Philipp hofft auf bessere Sicht vom Picu El Paysanu aus und entscheidet sich deshalb für die ursprüngliche, anspruchsvollere Route. Ich hingegen will etwas Kräfte sparen und wähle die verkürzte Variante. So trennen sich unsere Wege. Da die Gegend recht einsam ist, vereinbaren wir, uns stündlich per SMS über unseren Standort zu informieren.

Ich erreiche schon bald den Pras del Medio. Die Alpen sind hier bereits bestossen: Schafe, Geissen, Kühe, Rinder und auch Pferde verteilen sich über die Weiden. Auf kleinen Fahrsträsschen wandere ich gemütlich weiter und erreiche unser Hotel La Molinuca bereits um 13:00 Uhr. Duschen, Bericht schreiben – das übliche Ritual.

Philipp trifft gut zwei Stunden später ein und erzählt von Geissherden mit Schutzhunden, von einem Geierschwarm über einem verendeten Tier und von einem steilen, fordernden Abstieg.

Im Hotel sind wir die einzigen Gäste. Der Capo kümmert sich zusammen mit drei weiteren Personen um den Betrieb – darunter eine Frau, die in atemberaubendem Tempo Spanisch spricht. Von 16:00 bis 20:00 Uhr ist das Hotel geschlossen. Die Wartezeit vergeht dennoch im Nu – nicht zuletzt dank unseres Proviants: Jamón Serrano, frisches Brot und eine Flasche Wein.

Zum Nachtessen gönnen wir uns ein Chuletón de Simmental, im Holzofen zubereitet. Auf dem Foto wirkt es vielleicht etwas verkohlt – in Wirklichkeit war es schlicht hervorragend. Und vor allem: reichlich viel. 

 

zu den Fotos 
zur Route (15.5km, 587Hm, 5:00h)

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