Am Frühstücksbuffet können wir uns einen sättigenden Teller zusammenstellen, und auch der Kaffee schmeckt vorzüglich. Im Hotel nächtigen offenbar einige Pilger – Rucksäcke und Wanderstöcke in der Lobby und vor allem Leute in Wanderkluft.

Heute ist ein solides Frühstück besonders wichtig, denn für den ganzen Tag ist Nieselregen angesagt. Wir starten in Pelerine – für uns ist es die letzte Etappe auf dem Camino del Norte. Ab unserem Tagesziel Colombres werden wir mehrheitlich südwärts in Richtung Picos de Europa weiterwandern.

Unterwegs begegnen wir noch einmal zahlreichen Pilgern. Einige treffen wir mehrmals, andere ziehen an uns vorbei. Der Camino ist hier allgegenwärtig: Die Wegweiser sind dicht gesetzt und kaum zu übersehen, in Restaurants und kleinen Läden ist vieles mehrsprachig angeschrieben. Obwohl die Hauptsaison noch nicht begonnen hat, lassen die Kapazitäten der Herbergen und die improvisierten Verpflegungsstände entlang des Weges erahnen, wie belebt es hier bald sein wird. Wir hingegen geniessen die Ruhe und die fast meditative Stimmung im leichten Regen und wandern in unserem eigenen, entspannten Rhythmus stetig westwärts.

Dann stehen wir plötzlich vor einem unerwarteten Hindernis: Eine Brücke ist gesperrt. Sie überspannt einen etwa zehn bis fünfzehn Meter tiefen Graben, links und rechts dichter Wald – ein Ausweichen scheint unmöglich. Gemeinsam mit einer deutschen Pilgerin beraten wir kurz. Schliesslich entscheiden wir uns, die sichtbar desolate Brücke einzeln zu überqueren. Ein leicht mulmiges Gefühl schwingt mit, doch am Ende erreichen wir alle unversehrt die andere Seite.

Kurz darauf erreichen wir Serdio, wo wir in einer Pilger-Raststätte, bzw. in der Taberna La Gloria (siehe Fotos) einkehren. Sehr schön lässt sich hier die Entwicklung vom einfachen "Dorfbeiz" zur "Pilger-Infrastruktur" ablesen: Die ursprüngliche Gaststube bietet vielleicht Platz für 20 Personen – für einen Weiler mit rund 100 Einwohnern wohl mehr als ausreichend.

Ein gedeckter Vorbau aus Holz erweitert den Raum um weitere 20 bis 30 Plätze und fügt sich noch harmonisch ins Gesamtbild ein. Für die kommende Saison wurde zusätzlich ein provisorischer Bereich unter einem Zeltdach eingerichtet – nochmals 20 bis 30 Plätze. Und draussen stehen bereits weitere Tische und Stühle bereit, als würden sie nur darauf warten, von hungrigen und müden Wanderern besetzt zu werden.

Im Moment ist jedoch alles noch angenehm ruhig, fast schon verschlafen. Neben zwei, drei Einheimischen sitzen gerade einmal fünf Pilger da – uns eingeschlossen, auch wenn wir uns nicht als solche verstehen. Während unserer kurzen Pause ziehen weitere vier bis fünf Pilger durchs Dorf.

Man bekommt eine leise Ahnung davon, was hier im Sommer los sein dürfte.

Wenig später wandern wir an einer grossen Kiesgrube vorbei. Im Tagebau werden hier mit monströsen Maschinen Kalkstein und Siliziumsand abgebaut – Rohstoffe, die unter anderem für Beton und die Glasherstellung verwendet werden. 

Unser Weg – und zufälligerweise auch der Jakobsweg – verlässt hier die idyllischen Eukalyptuswälder und führt wenig attraktiv entlang der CA-181, einer stark befahrenen Strasse. Ein eher ernüchternder Abschnitt, der uns aber zügig voranbringt. Beim Río Nansa überqueren wir die Brücke, finden zurück auf ruhigere Wege – und schon erreichen wir Unquera.

An der Bus- und Bahnstation versuchen wir, verlässliche Informationen zu den Verbindungen zu erhalten. Doch vor Ort ist niemand anzutreffen, den man fragen könnte. Aushänge, zwei verschiedene RENFE-Apps und Google Maps liefern widersprüchliche oder unklare Angaben – ein konsistentes Bild ergibt sich daraus nicht. Ein kleiner Moment der Ratlosigkeit, doch wir nehmen es easy, wir sind ja noch nicht auf der Heimreise.

Tja – und dann überqueren wir den Río Deva. Mit diesem Schritt lassen wir Cantabria hinter uns und sind nun in Asturia unterwgs. 

In Colombres gibt's noch ein Cola und ein merienda (Imbiss), gefolgt von einem kurzen Shopping, ansonsten durchqueren wir Colombres zügig. Der Himmel verdunkelt sich, und wir möchten vor dem angesagten Regen in unserem Tiny House auf dem Camping ankommen. 

Gerade noch rechtzeitig erreichen wir unser Ziel – ein kompaktes, aber gemütliches Tiny House auf dem Campingplatz von Colombres. Kaum sind wir angekommen, setzt auch schon der Regen ein.

Es ist ja nicht so, dass wir mit engen Platzverhältnissen nicht zurechtkommen – doch hier sind klare Zuordnungen unabdingbar: Das ist deine Ecke, das ist meine Ecke.

Das Lavabo im Dusch-WC-Kämmerlein ist so klein, dass man beim Zähneputzen und Mundspülen den Wasserhahn nur mit einer gewissen Akrobatik erreicht.

Im nahegelegenen Casa Marisa geniessen wir ein Blech Arroz con pitu de caleya - mmh ...

 

zu den Fotos 
zur Route (18.5km, 458Hm, 5:30h)

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