Im Kiosk gibt es feinen Kaffee – kein schlechter Start in den Tag. Es ist unsere letzte Etappe so nahe am Meer, und deshalb möchten wir möglichst küstennah bis nach San Vicente weiterwandern.

Also geht es zunächst hinunter zum Strand – und gleich darauf wieder hinauf. Wie schon am Vortag führt uns der Weg durch weite, grüne Landschaften, sanfte Hügel und offene Weiden. Zwischendurch verlassen wir bewusst den Camino del Norte, um etwas abzukürzen oder ein paar Höhenmeter einzusparen – wir sind ja schliesslich keine Pilger. Trotzdem führt uns unser Weg immer wieder durch reizvolle Ecken, etwa zu einem kleinen, idyllischen und erstaunlich gut erhaltenen Weiler (Concha?), der wie aus der Zeit gefallen wirkt.

Kurz vor Comillas begegnen wir einer deutschen Pilgerin, die wir bereits auf der VP110 getroffen hatten. Man erkennt sich, wechselt ein paar Worte – und schon bald ist jeder wieder in seinem eigenen Rhythmus unterwegs.

Schliesslich erreichen wir Comillas – und sind ehrlich gesagt etwas überrumpelt von der kulturellen Dichte dieses Ortes. Mit einer solchen „Vollladung“ hatten wir nicht gerechnet. Offenbar handelt es sich um ein bedeutendes religiöses Zentrum mit Bischofssitz. Die entsprechenden Gebäude sind monumental, teils eindrücklich restauriert, teils aber auch sichtbar in die Jahre gekommen. Besonders ins Auge fallen die grossen sakralen Bauten, die auf den umliegenden Hügeln thronen und dem Ort eine fast unerwartete Bedeutung verleihen.

Hier gibt es definitiv noch einiges nachzulesen – Comillas scheint mehr zu bieten, als man auf den ersten Blick vermutet.

Und dann stehen wir – mitten in Comillas, just beim Palacio de Sobrellano – bei Kilometer 9.25 unserer heutigen Etappe und gleichzeitig bei Kilometer 2222 unseres Gesamtprojekts. Ein schöner Moment. Wir machen kurz Pause und stossen mit einem Becher Rotwein darauf an.

Nach weiteren fünf Kilometern erreichen wir den Strand von Oyambre. Im Restaurant Pájaro Amarillo gönnen wir uns
pimientos rellenos de verdura y marisco sowie ein timbal de verduras y migas de bacalao – beides hervorragend und genau das Richtige nach diesem Abschnitt.

Danach wandern wir ein gutes Stück dem Strand entlang. Erinnerungen an die Etappen VP055–VP057 werden wach. Der Naturpark Oyambre besteht allerdings nicht nur aus Küste: Über Hügel und durch offene Felder nähern wir uns Schritt für Schritt unserem Tagesziel.

Schliesslich erreichen wir San Vicente de la Barquera, wo wir im empfehlenswerten Faro de San Vicente einchecken.

Später lassen wir den Tag in einem einfachen Restaurant ausklingen: pulpo (leider etwas zu salzig) und dafür umso feinere merluza rebozada – ein würdiger Abschluss dieses abwechslungsreichen Tages.

zu den Fotos 
zur Route (21.5km, 332Hm, 8:15h)

VP116