Wir stehen wie geplant um 06:45 auf und sind kurz nach 07:00 startklar. Bei der Bushaltestelle hat sogar eine Bar offen, so dass wir Tortillas und Kaffee geniessen können. Um 07:35 stehen wir dann an der Haltestelle - aber unser Bus kommt nid - kommt nid Wir nehmen mit:
Wenn zwischen ausgeschilderten (analogen) und digitalen Infos eine Diskrepanz besteht, ist vom für uns schlechtesten Fall auszugehen. So geschehen: wir haben digital ein Ticket für den 07:35 -Bus gelöst - auf den verbleichten, analogen Aushängen war diese Verbindung allerdings nicht aufgeführt. Um 08:00 entscheiden wir, zum Hauptbus-Terminal zu gehen. Wir erkundigen uns dort bei den anwesenden Einheimischen - wir erhalten nochmals widersprüchliche Infos. Schliesslich fährt der Alsa Bus ein, den wir erwarten - der Chauffeur versichert uns, dass er um 09.00 losfährt und in Pontarron haltet - unser Tag ist gerettet, was wir mit einem Bier feiern, was wiederum von den Anwesenden mit einem Hauch von Befredem wahrgenommen wird - ok es ist 08:45!
Schliesslich können wir unsere 110. Etappe noch vor 10:00 starten. Diszipliniert ignorieren wir die bereits offene Bar und wandern flach und zügig Richtung Meer - mystische Stimmungen mit Nebelschwaden, tropisch anmutender Wald begleitet mit viel Vogelgesang (gemäss Merlin u.a. Amsel, Zaunkönig und Singdrossel) versetzen uns in einen einfach lässigen Flow.
Nachdem wir einen grandiosen Strand passiert haben kommt es noch besser - eine kleine Bucht mit Sand, Felsen, Brandung und viel angrenzedem Grün bildet den Startpunkt einer Route mit wirklich hochalpinen Charakter: zunächst zwar auf sandigem Untergrund (kräftezehrend) - doch dann typisch auf Kalk ruppig bergan und so, dass auch Philipp zwischendurch die Hände zu Hilfe nehmen musste - nach rund 250 Hm anspruchsvollem Aufstieg erreichen wir einen relativ flachen Boden - eingezwängt zwischen einer Felskette und dem praktisch senkrecht zum Meer abfallenden Abgrund. Vom Meer sehen wir nicht viel, da es unter einer Nebeldecke liegt. Wir geniessen diese kontrastreiche Landschaft bei einer ausgiebigen Pause.
Es folgt ein ruppiger Abstieg und nach ein paar Kilometer durch hügelige Weiden mit Kühen und Pferden - auf dem wir auch vielen Pilgern und Jogger begegnen, erreichen wir Laredo. Nachdem wir uns in einer sympatischen Bar gestärkt haben, legen wir unsere Route so, dass wir nochmals die Füsse im Golf von Biskaie baden können.
Einchecken im Hotel Las Ruedas klappt auch bestens. Die Wartezeit bis zum Nachtessen verbringen wir mit Duschen, Wäsche waschen und Bericht schreiben.
Im einfachen Restaurant gibt's zunächst ein Plättli mit Jamon und queso und dann viel Salat.
An den meisten Tischen wird porron calimocho getrunken: Wein und Cola aus einem Schnabel-Glas und zwar so dass der Mund das Glas nicht berührt - musste ich natürlich auch haben, das Hemd geht nun in die Wäsche!
zu den Fotos
zur Route (20,25km, 521m, 8h)
