Heute mussten in zweifacher Hinsicht kurzfristig umplanen:
einerseits erhielt ich von unserem ursprünglich geplanten Hotel eine Absage. Dieses Hotel war auf booking.com nicht verfügbar, über die Hotel-eigene Homepage konnte ich eine Buchung vornehmen, welche mit einem automatischen Mail bestätigt wurde. Später erhielt ich dann aber via Mail eine Stornierung. Auf Anfrage wurde sogar eine Alternative angeboten - alles in allem ein Ort, den ich gerne kennen gelernt hätte.
Die nächste verfügbare Unterkunft bedeutet für uns über 6km mehr Weg.
andererseits hatten wir geplant, über einen Hügelgrat rund 400Hm über dem Talboden Richtung Westen zu wandern - in Anbetracht der feuchten Wetterprognosen machte das aber absolut keinen Sinn - bei Regen über einen Grat zu wandern ist in etwa gleich attraktiv wie eine Regenwanderung auf dem Talboden.
Wir entschieden uns also, auf die Höhenmeter zu verzichten und ersetzen diese quasi mit der längeren Distanz.
Bei superfeinem Nieselregen starteten wir unsere Uhren. Entlang wenig befahrenen Strassen trotten wir geduldig und mässig motiviert Richtung Westen. Wir passieren die gigantischen Offenställe der Milchfabrik lacturale - die Dimensionen und auch der Gestank - unvorstellbar.
Eine Kapelle am Strassenrand weckt unser kulturelles Interesse - aber nur bis wir feststellen, dass wir hier auch keinen Schutz vor dem Nieselregen finden.
Weiter gehts durch Ortschaften mit rustikalen Häusern, die irgenwie ans Engadin erinnern. Die Orte heissen Ihabar, Irañeta, Basakoetxea, Urruntzure - wenn man der baskischen Sprache mächtig wäre, sind das wahrscheinlich Namen wie Wülflingen, Frauenfeld, Rüti, Zell etc. Aber eben - Baskisch ist extrem speziell: https://de.wikipedia.org/wiki/Baskische_Sprache
Wenn wir eine Brücke über einen Bach oder Fluss passieren wird offensichtlich, wie aussergewöhnlich hoch die Pegelstände hier sind.
Nachdem wir um die Mittagszeit schon mehr als die Hälfte der heutige Etappe hinter uns hatten und in einem Dorf mit baskischem Name eine Bar offen hatte, genehmigen wir uns eine kräftigende Pause im Trockenen.
In Navarra sind uns zahlreiche politische Graffities aufgefallen - es geht meistens gegen Spanien als Staat, um Unabhängigkeit oder um Solidarität mit Palästina. Auch in der Bar im Ort mit dem unaussprechlichen Namen hängen Plakate und Sprüche der IRA. Offenbar gibt es da Verbindungen zwiscchen ETA und IRA.
Auch die baskische Musik, die hier ziemlich laut abgespielt wird (z.Bsp. Kupela -Txitxoko ) erinnert an irischen Folk, dann aber auch viel Bum-Bum-Musik auf Baskisch (z.Bsp. Orain - Hemendik at!)
Um zu erfahren, wie die Züge hier fahren, machen wir einen kleinen Umweg zum Bahnhof von Uharte-Arakil. Ein bescheidenes Denkmal erinnert an die Opfer ein Eisenbahnunglücks - heute fahren noch drei Züge pro Tag auf dieser Linie. Interessant auch die wohl einfachste Version eines Rollstuhlgängigen Bahnübergangs (sieh Fotos).
Schliesslich regnet es doch noch so stark, dass ich den Pilger-Poncho montiere.
Unsere heutige Unterkunft ist eigentlich eine Art Motel, darum kehren wir im Dorf nochmals ein, was sich als weise Entscheidung herausstellt. Denn der Restaurationsbetrieb des Motels schliesst um 20.00 und die Küche ist längst geschlossen.
Für uns spielt das keine grosse Rolle, haben wir doch morgen nur eine kurze Route vor uns.
zu den Fotos
zur Route (25,5km, 209Hm, 8:30h)
