Der Tag beginnt mit der Suche nach meinen Hörgeräten - vor dem Frühstück, nach dem Frühstück und beim Packen.
Wir sind um 08:00 schon startklar, als wir nochmals bei der Handy-Aufladestation alles absuchen, bevor wir bei der Hüttenwartin eine Vermisstmeldung aufgeben wollen - tatsächlich entdecke ich die Aufladebox der Hörgeräte samt Inhalt in der Nähe - Glück gehabt.

Wir starten unsere Hochtour im Regen. In der Zwischenzeit haben wir uns an das Gehen mit Schirm in der einen, Stock in der anderen Hand gewöhnt. Lästig sind lediglich die Windböen, welche unsere Schirme zwischendurch beinahe "verupfen". Na ja - recht unangenehm sind auch die nassen Füsse in den nassen Schuhen, sowie die kalten Hände in den nassen Handschuhen. Grossartig hingegen sind die riesigen Talkessel, welche wir queren. In den meisten liegen mehrere Seen, zum Teil noch immer zugefroren.
Abwechselnd auf Bergpfaden, Blockgelände und Schneefelder geht's stetig aufwärts. Im Schlussaufstieg zur Collada de Ixalenques (2812m) montiere ich die Leichtsteigeisen und steige über ein Schneefeld hoch, während Philipp den Aufstieg im Fels bewältigt.
Bei weiterhin garstigem Wetter schalten wir hier eine Rast ein.
Für mich wird das der höchste Punkt, den ich in den Pyrenäen bestiegen habe. Ich bin im Blockgelände und Höhen über 2500m recht langsam unterwegs. Blockgelände war ja schon immer meine Schwäche, früher verbrauchte ich viel Energie, um das Gleichgewicht zu halten - nun bewege ich mich im Blockgelände energetisch merklich effizienter, dafür aber etwas langsam. Die Tour auf den Aneto wäre unter optimalen Bedingungen auch für mich machbar - doch ich habe entschieden, nach 5 Etappen, die auch nicht ohne waren, einen Pausentag einzulegen. Falls die Bedingungen vor allem wettermässig stimmen, wird Philipp den Pic Aneto morgen alleine besteigen.

Nach der Rast nehmen wir den Abstieg unter die Füsse, die ersten 100m in steilem, hartem Schnee. Ausrutschen ist keine Option, da man unweigerlich in die Felsen rutschen würde - mit Pickel wäre mir hier wohler. Es ist jedoch nicht so, dass wir hier ausrüstungsmässig leichtsinnig unterwegs sind - wir sind minimal aber optimal ausgerüstet (Kleidung, Steigeisen).
Nun geht's abwechselnd über Schnee- und Blockfelder zügig abwärts. Wasser überall, es gibt kaum einen Flecken, an dem nicht irgendein Rinnsal oder kleines Bächlein fliesst. Das Traversieren von Bergbächen ist zum Teil tricky. Schliesslich wird die Landschaft lieblicher - aber immer noch nass.

Nach 10h erreichen wir um 18:00 relativ fit das Refugio de la Renclusa - einchecken, duschen, Nachtessen (Bouillon mit Teigwaren, Rindfleisch-Sftroganoff).

zu den Fotos
zur Route (12km, 757Hm rauf, 1036Hm runter, 10h)

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